Der MSCI World ist der Standard für Welt-ETF, obwohl er nur 23 Länder enthält und zu 70 Prozent aus US-Aktien besteht. Wie der Index funktioniert, welche Kritik berechtigt ist und welche Alternativen es gibt.
Kurz gesagt
- Rund 1.400 Aktien aus 23 Industrieländern, gewichtet nach Börsenwert; USA rund 70 Prozent, Japan 6, Großbritannien 4, Deutschland 2,5.
- Keine Schwellenländer, keine Small Caps: der MSCI ACWI IMI oder FTSE All-World füllen die Lücke.
- Langfristrendite seit 1970 rund 7 bis 8 Prozent im Jahr in Euro, mit Rückschlägen bis 55 Prozent.
- Klumpen: Die zehn größten Unternehmen machen über 25 Prozent aus, fast alle US-Technologie.
Wie der Index gebaut ist
MSCI, ein US-Indexanbieter, wählt aus 23 Industrieländern die größten und mittelgroßen börsennotierten Unternehmen aus, die zusammen rund 85 Prozent des jeweiligen Marktes abdecken. Die Gewichtung folgt dem frei handelbaren Börsenwert: Ein Unternehmen mit drei Billionen Dollar Marktwert wiegt zehnmal so viel wie eines mit 300 Milliarden. Der Index wird viermal im Jahr überprüft, Aufsteiger kommen hinein, Absteiger fallen heraus. Ein ETF darauf kauft die Aktien in genau diesem Verhältnis.
Was drin ist
Rund 1.400 Aktien, davon etwa 600 aus den USA mit rund 70 Prozent Gewicht, Japan 6 Prozent, Großbritannien 4, Kanada und Frankreich je 3, Deutschland und die Schweiz je 2,5. Nach Branchen: Technologie rund 25 Prozent, Finanzen 15, Gesundheit 11, Industrie 11, zyklischer Konsum 10. Die zehn größten Unternehmen, fast alle amerikanische Technologiekonzerne, machen über ein Viertel des Index aus.
Was fehlt
Schwellenländer wie China, Indien, Taiwan, Korea und Brasilien, die rund zehn Prozent des Weltmarkts ausmachen; sie stecken im MSCI Emerging Markets. Kleine Unternehmen unter rund zwei Milliarden Marktwert; sie stecken im MSCI World Small Cap. Wer alles will, nimmt den MSCI ACWI IMI mit rund 9.000 Aktien oder den FTSE All-World mit rund 3.600, der zumindest Schwellenländer enthält.
Die Kritik
US-Klumpen: 70 Prozent USA sind viel, aber es ist der Börsenwert der Welt. Wer weniger USA will, mischt Europa oder gleichgewichtete Indizes bei und wettet damit gegen den Markt. Tech-Klumpen: Die Konzentration ist die höchste seit den siebziger Jahren; ob das ein Risiko oder die Realität ist, weiß niemand. Marktkapitalisierung kauft teure Aktien: Ja, aber alle Alternativen haben über lange Zeiträume nicht besser abgeschnitten, nur anders.
Die Rendite
Seit 1970 rund 7 bis 8 Prozent pro Jahr in Euro inklusive Dividenden, vor Inflation. Dazwischen: minus 55 Prozent 2000 bis 2003, minus 50 Prozent 2008, minus 34 Prozent im Frühjahr 2020, minus 20 Prozent 2022. Jeder 15-Jahres-Zeitraum endete positiv, jeder 5-Jahres-Zeitraum nicht. Das ist die Gebühr für die Rendite.
Welchen ETF nehmen
Für den MSCI World gibt es rund 20 ETF in Europa, die sich in Kosten (0,12 bis 0,2 Prozent), Ertragsverwendung, Domizil und Volumen unterscheiden. Für Anleger, die einen Index wollen, ist der FTSE All-World die vollständigere Wahl, für die, die Industrieländer und Schwellenländer getrennt steuern wollen, MSCI World plus Emerging Markets im Verhältnis 80 zu 20 oder 90 zu 10.
Zum Ausprobieren
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Ist der MSCI World nachhaltig?
Nein, er enthält alles. Die Varianten SRI und ESG schließen Waffen, Tabak und Kohle aus und haben in den letzten zehn Jahren ähnlich abgeschnitten, mit weniger Aktien.
MSCI World oder FTSE All-World?
Beide sind gute Kerne. All-World enthält Schwellenländer, ist damit breiter und erspart einen zweiten ETF.
Was ist mit einem Europa-Anteil?
Europa steckt mit rund 15 Prozent im MSCI World. Wer mehr will, wettet auf Europa; historisch war das seit 2010 ein Nachteil, was nichts über die Zukunft sagt.
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