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Notgroschen: Wie viel, wo und wie schnell

6 Minuten Lesezeit·

Drei bis sechs Nettomonatsgehälter, griffbereit auf einem Tagesgeldkonto: Der Notgroschen ist die erste Geldentscheidung, die jeder treffen sollte. Hier steht, wie du ihn dimensionierst und in zwölf Monaten aufbaust.

Kurz gesagt

  • Richtwert: drei Nettogehälter für Angestellte, sechs für Selbstständige und Familien mit einem Einkommen.
  • Der Notgroschen liegt auf einem Tagesgeldkonto, nicht im Depot und nicht auf dem Girokonto.
  • Aufbau per Dauerauftrag am Tag nach dem Gehaltseingang, nicht mit dem Rest am Monatsende.
  • Er wird nur für echte Notfälle angefasst: Job, Gesundheit, Auto, Waschmaschine, nicht für Urlaub.

Warum der Notgroschen vor jeder Geldanlage kommt

Wer ohne Reserve investiert, verkauft im schlechtesten Moment. Die Waschmaschine geht kaputt, das Auto braucht eine Kupplung, der Job ist plötzlich weg, und genau dann steht der Aktienmarkt zehn Prozent tiefer. Der Notgroschen sorgt dafür, dass ein Notfall ein Ärgernis bleibt und keine Finanzkrise wird. Er ist keine Geldanlage, sondern eine Versicherung, die du dir selbst gibst und für die du keine Prämie zahlst.

Wie viel ist genug?

Die Faustregel lautet drei bis sechs Nettomonatsgehälter. Drei reichen für Angestellte mit sicherem Job, zwei Einkommen im Haushalt und ohne Immobilie. Sechs sind angemessen für Selbstständige, Alleinverdiener, Familien mit Kindern und Eigentümer, weil eine Heizung im Winter nicht wartet. Rechne mit deinen tatsächlichen Fixkosten, nicht mit dem Gehalt: Miete, Energie, Versicherungen, Lebensmittel, Mobilität, Kredite. Wer 2.400 Euro Fixkosten hat, braucht bei drei Monaten 7.200 Euro, bei sechs Monaten 14.400 Euro.

Wo der Notgroschen liegt

Auf einem Tagesgeldkonto bei einer Bank mit gesetzlicher Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Tagesgeld ist täglich verfügbar, bringt 2026 je nach Anbieter zwischen zwei und drei Prozent Zinsen und schwankt nicht. Das Girokonto ist ungeeignet, weil das Geld dort optisch verfügbar wirkt und ausgegeben wird. Das Depot ist ungeeignet, weil Kurse fallen können, wenn du das Geld brauchst. Ein Festgeld ist ungeeignet, weil es gebunden ist.

Der Aufbau in zwölf Monaten

Teile dein Ziel durch zwölf und richte einen Dauerauftrag ein, der am Tag nach dem Gehaltseingang läuft. Für 7.200 Euro sind das 600 Euro im Monat, für 14.400 Euro 1.200 Euro. Ist das zu viel, nimm 24 Monate. Wichtig ist nicht das Tempo, sondern dass der Betrag automatisch fließt, bevor du ihn siehst. Einmalige Zuflüsse wie Steuererstattung, Bonus oder Weihnachtsgeld beschleunigen den Aufbau, ohne dass du im Alltag etwas merkst.

Wann du ihn anfasst

Ein Notfall ist unerwartet, notwendig und dringend. Jobverlust, Krankheit, ein kaputtes Auto, das du für die Arbeit brauchst, eine Reparatur im Haus. Kein Notfall sind Urlaub, ein neues Handy, ein Sale oder eine Hochzeitseinladung. Für solche Ausgaben legst du separate Töpfe an. Hast du den Notgroschen benutzt, füllst du ihn zuerst wieder auf, bevor du wieder investierst.

Was nach dem Notgroschen kommt

Ist die Reserve voll, wandert der Dauerauftrag in den nächsten Topf: teure Kredite tilgen, dann ein ETF-Sparplan, dann die Altersvorsorge. Der Notgroschen bleibt, wo er ist, und wächst nur mit deinen Fixkosten mit. Prüfe ihn einmal im Jahr, zum Beispiel beim Jahreswechsel.

Häufige Fragen

Zählt ein Dispo als Notgroschen?

Nein. Der Dispo kostet 2026 im Schnitt über zehn Prozent Zinsen und kann von der Bank gekündigt werden. Er ist das Gegenteil einer Reserve.

Soll ich zuerst Schulden tilgen oder den Notgroschen aufbauen?

Erst einen kleinen Notgroschen von etwa 1.000 Euro, dann Schulden mit über fünf Prozent Zins tilgen, dann den Notgroschen auf drei bis sechs Monate füllen.

Muss der Notgroschen auf ein extra Konto?

Ja, sonst vermischt er sich mit dem Alltag. Ein Tagesgeldkonto ist in zehn Minuten eröffnet und kostet nichts.