Riester bringt Zulagen, Rürup bringt Steuerabzug, beide bringen Kosten und Bindung. Wer 2026 noch abschließen sollte, was die Reform der privaten Altersvorsorge ändert und wann ein ETF-Depot die bessere Wahl ist.
Kurz gesagt
- Riester: 175 Euro Grundzulage plus 300 Euro je Kind, sinnvoll für Familien mit niedrigem Einkommen; Rendite oft unter zwei Prozent wegen Garantie und Kosten.
- Rürup: bis 29.344 Euro Beitrag zu 100 Prozent absetzbar, für Selbstständige und Gutverdiener ohne betriebliche Vorsorge.
- Reform 2026: neues Altersvorsorgedepot ohne Beitragsgarantie, mit ETF, Zulagen bleiben.
- Alte Verträge prüfen: Kosten, Garantie, Zulagen; beitragsfrei stellen statt kündigen.
Riester
Die Riester-Rente fördert Angestellte, Beamte und deren Ehepartner mit einer Grundzulage von 175 Euro und 300 Euro je Kind ab 2008, wenn vier Prozent des Bruttovorjahreseinkommens, maximal 2.100 Euro, eingezahlt werden. Zusätzlich sind die Beiträge als Sonderausgaben absetzbar, was für Gutverdiener mehr bringt als die Zulage. Der Haken: Die Beitragsgarantie zwingt Anbieter in sichere Anlagen, die Kosten liegen oft bei über zwei Prozent im Jahr, und die Auszahlung ist eine lebenslange Rente, die voll versteuert wird. Für eine Familie mit drei Kindern und 30.000 Euro Einkommen ist die Förderquote über 50 Prozent, da lohnt es sich. Für Singles mit 60.000 Euro lohnt sich der Steuerabzug, aber ein ETF-Depot bringt trotz fehlender Förderung meist mehr.
Rürup
Die Basisrente ist für Selbstständige gedacht, die keine gesetzliche Rente haben, und für Gutverdiener, die Steuern sparen wollen. Beiträge bis 29.344 Euro (Ehepaare 58.688) sind 2026 zu 100 Prozent absetzbar; bei 42 Prozent Grenzsteuersatz zahlt das Finanzamt 42 Prozent des Beitrags. Die Auszahlung ist eine lebenslange Rente, die zu einem steigenden Anteil versteuert wird, ab 2058 zu 100 Prozent. Der Vertrag ist unkündbar, nicht vererbbar ohne Zusatz, nicht kapitalisierbar. Sinnvoll als ETF-Rürup ohne Garantie mit Kosten unter 0,5 Prozent, wenn der Steuervorteil in der Ansparphase größer ist als die Steuer auf die Rente.
Die Reform 2026
Seit 2026 gibt es das Altersvorsorgedepot: ein gefördertes Depot ohne Beitragsgarantie, in dem ETF und Fonds gehalten werden, mit denselben Zulagen wie Riester plus einer Förderung von 20 Cent je Euro Eigenbeitrag bis zu einer Höchstgrenze. Bestehende Riester-Verträge können übertragen werden. Wer Zulagen will, ohne die Garantiekosten zu tragen, bekommt damit erstmals ein Produkt, das mit einem ETF-Sparplan mithalten kann.
Alte Verträge
Kündigen kostet die Zulagen und Steuervorteile, die zurückgezahlt werden müssen. Besser: beitragsfrei stellen und auf einen günstigen Anbieter oder das Altersvorsorgedepot übertragen. Prüfe den Vertrag auf Effektivkosten (in den jährlichen Mitteilungen), Garantiezins und Zulagenhöhe. Ein Vertrag mit Kosten über 1,5 Prozent und Rendite unter zwei Prozent ist ein Fall für die Übertragung.
Die Entscheidung
Familie mit niedrigem Einkommen und Kindern: Riester oder Altersvorsorgedepot mit voller Zulage. Selbstständige mit hohem Einkommen: ETF-Rürup bis zum Höchstbetrag. Angestellte mit betrieblicher Altersvorsorge und Arbeitgeberzuschuss: erst die bAV ausschöpfen. Alle anderen: ETF-Sparplan im normalen Depot, flexibel, günstig, vererbbar, mit Abgeltungsteuer statt vollem Steuersatz im Alter.
Zum Ausprobieren
Rentenlücken-RechnerAlter, Netto, erwartete Rente: Wie groß deine Lücke ist und welche Sparrate sie schließt.Einkommensteuer-RechnerZu versteuerndes Einkommen eingeben, Steuer, Grenzsteuersatz und Durchschnittssatz ablesen, mit Splitting.Häufige Fragen
Kann ich Riester-Guthaben für eine Immobilie nutzen?
Ja, per Wohn-Riester für Kauf, Bau oder Tilgung. Das Wohnförderkonto wird später versteuert; sinnvoll, wenn die Immobilie ohnehin geplant ist.
Ist Rürup vererbbar?
Nur mit Hinterbliebenenschutz für Ehepartner und kindergeldberechtigte Kinder. Sonst verfällt das Kapital an die Versichertengemeinschaft.
Was passiert mit Riester beim Umzug ins Ausland?
Innerhalb der EU bleibt die Förderung erhalten. Außerhalb muss sie zurückgezahlt werden, gestundet bis zur Auszahlung.
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