milinia

Rente & Vorsorge · Selbst gebaut

Private Altersvorsorge ohne Vertrag: Das ETF-Modell

7 Minuten Lesezeit·

Ein ETF-Depot mit Entnahmeplan ersetzt für die meisten Menschen jede Rentenversicherung: günstiger, flexibler, vererbbar. Wie du es aufbaust, wie du im Alter entnimmst und wo die Grenzen liegen.

Kurz gesagt

  • Aufbau: Welt-ETF-Sparplan plus Tagesgeld, Aktienquote mit dem Alter sinkend, ab 55 schrittweise auf 50 Prozent.
  • Entnahme: 3,5 bis 4 Prozent des Startkapitals im Jahr, inflationsangepasst, hält historisch 30 Jahre.
  • Steuer im Alter: Abgeltungsteuer 25 Prozent nur auf den Gewinnanteil, Teilfreistellung 30 Prozent, oft günstiger als eine Rente mit vollem Satz.
  • Grenzen: Langlebigkeit, Pflege, Disziplin; für den Grundbedarf gesetzliche Rente plus bAV, das Depot für den Rest.

Warum kein Vertrag

Eine private Rentenversicherung kostet zwei bis drei Prozent im Jahr, garantiert wenig, bindet Jahrzehnte und zahlt eine Rente, die bei durchschnittlicher Lebenserwartung das eingezahlte Kapital oft nicht zurückgibt. Ein ETF-Depot kostet 0,2 Prozent, ist jederzeit verfügbar und gehört im Todesfall den Erben. Der Preis: Du trägst die Schwankung und die Entscheidung selbst.

Die Ansparphase

Ein Welt-ETF-Sparplan mit 10 bis 20 Prozent des Nettos, daneben Tagesgeld für Notgroschen und den sicheren Anteil. Bis 50 darf die Aktienquote bei 70 bis 90 Prozent liegen. Ab 55 senkst du sie schrittweise auf 50 bis 60 Prozent, damit ein Crash kurz vor Rentenbeginn nicht die Entnahme trifft. Das Rebalancing erledigt das automatisch, wenn du neue Sparraten in den sicheren Teil lenkst.

Die Entnahmephase

Die Vier-Prozent-Regel aus US-Studien: Im ersten Rentenjahr entnimmst du vier Prozent des Depots, danach jedes Jahr denselben Betrag plus Inflation. Bei 50 Prozent Aktien hielt das Kapital in allen historischen 30-Jahres-Zeiträumen. Für Europa und Vorsicht sind 3,5 Prozent die sicherere Zahl. Bei 300.000 Euro sind das 875 bis 1.000 Euro im Monat. Praktisch entnimmst du aus dem Tagesgeld, das drei Jahresentnahmen enthält, und füllst es in guten Aktienjahren auf; in schlechten wartest du.

Steuer im Alter

Bei Verkauf aus dem Depot ist nur der Gewinnanteil steuerpflichtig, mit 25 Prozent Abgeltungsteuer und 30 Prozent Teilfreistellung, effektiv rund 18 Prozent auf den Gewinn. Eine Rente aus einem Vertrag wird mit dem persönlichen Steuersatz auf den Ertragsanteil oder bei Rürup voll versteuert. Bei einem Depot mit 60 Prozent Gewinnanteil zahlst du auf 1.000 Euro Entnahme rund 110 Euro Steuer; wer den Sparer-Pauschbetrag nutzt, weniger.

Die Grenzen

Ein Depot zahlt nicht lebenslang, wenn du 100 wirst und die Märkte 20 Jahre schlecht laufen. Pflegekosten von 3.000 Euro im Monat sprengen jede Planung. Und es braucht Disziplin, in einem Crash mit 75 Jahren nicht zu verkaufen. Deshalb: Grundbedarf aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersvorsorge und gegebenenfalls einer kleinen Sofortrente ab 80. Das Depot deckt den Rest und bleibt flexibel.

Das Modell in Zahlen

35 Jahre alt, 300 Euro monatlich, 6 Prozent Rendite, 32 Jahre: rund 330.000 Euro mit 67. Entnahme 3,5 Prozent: 960 Euro im Monat, inflationsangepasst, dazu die gesetzliche Rente. Ab 55 die Sparrate verdoppelt: 430.000 Euro und 1.250 Euro im Monat. Wer mit 25 beginnt, braucht für dasselbe Ergebnis 170 Euro.

Häufige Fragen

Was ist mit der Abgeltungsteuer, wenn ich verkaufe?

Der Broker führt sie ab. Beim Verkauf wird nach dem Prinzip „first in, first out" der älteste Anteil zuerst verkauft; wer zwei Depots führt, kann steuerlich steuern.

Kann ich ein Depot in eine Rente umwandeln?

Ja, jederzeit per Einmalbeitrag in eine Sofortrente. Sinnvoll ab 75 bis 80 für den Grundbedarf, wenn die Lebenserwartung die Rechnung dreht.

Sollte ich im Alter ganz aus Aktien raus?

Nein. Eine Rentenphase dauert 25 Jahre, und 40 bis 50 Prozent Aktien halten die Kaufkraft. Wer alles in Tagesgeld hält, verliert an die Inflation.