milinia

Selbstständigkeit · Eigene Rente

Altersvorsorge für Selbstständige: Ohne Arbeitgeber, mit Plan

7 Minuten Lesezeit·

Selbstständige haben keine Rentenpflicht, keinen Arbeitgeberzuschuss und oft keinen Plan. Wie viel du zurücklegen musst, welche Bausteine sich ergänzen und wann die gesetzliche Rente trotzdem sinnvoll ist.

Kurz gesagt

  • Ziel: 20 bis 25 Prozent des Nettoeinkommens für die Vorsorge, weil der Arbeitgeberanteil fehlt.
  • Bausteine: ETF-Depot als Kern, Rürup für den Steuervorteil, freiwillige gesetzliche Rente für Grundsicherung und Erwerbsminderung.
  • Berufsunfähigkeit ist wichtiger als die Rente: Ohne Absicherung fehlt bei Krankheit alles.
  • Rentenpflicht kommt: Die Politik plant eine Vorsorgepflicht für Selbstständige mit Opt-out; wer schon vorsorgt, ist unberührt.

Die Ausgangslage

Angestellte zahlen 9,3 Prozent in die Rentenversicherung, der Arbeitgeber noch einmal 9,3. Selbstständige zahlen nichts, außer sie sind pflichtversichert wie Handwerker, Lehrer, Hebammen, Künstler oder Solo-Selbstständige mit einem Auftraggeber. Wer nichts zahlt, bekommt nichts, und die Grundsicherung im Alter liegt bei rund 1.000 Euro. Das Ziel ist deshalb, 18,6 Prozent selbst zu ersetzen: 20 bis 25 Prozent des Nettoeinkommens gehen in die Vorsorge, von der ersten Rechnung an.

Der Kern: ETF-Depot

Ein Welt-ETF-Sparplan mit 15 Prozent des Nettos, flexibel in der Höhe, weil Selbstständige schwankende Einkommen haben: in guten Monaten mehr, in schlechten weniger, nie null. Das Depot bleibt liquide, ist vererbbar, kostet 0,2 Prozent. Nachteil: kein Steuervorteil in der Ansparphase und die Versuchung, in einer Flaute daran zu gehen. Dagegen hilft ein zweiter Broker, dessen App nicht auf dem Handy ist.

Der Steuerbaustein: Rürup

Beiträge bis 29.344 Euro im Jahr sind zu 100 Prozent absetzbar. Bei 42 Prozent Grenzsteuersatz zahlt das Finanzamt 42 Prozent des Beitrags. Als ETF-Rürup ohne Garantie mit Kosten unter 0,5 Prozent ist das für Gutverdiener der effizienteste Baustein, mit den Nachteilen: unkündbar, nicht kapitalisierbar, Rente voll steuerpflichtig, nur mit Zusatz vererbbar. Sinnvoll für den Teil, der ohnehin nie angefasst werden soll, etwa fünf bis zehn Prozent des Nettos.

Der sichere Baustein: gesetzliche Rente

Selbstständige können freiwillig in die gesetzliche Rente einzahlen, zwischen rund 100 und 1.500 Euro monatlich, oder auf Antrag pflichtversichert werden. Vorteile: inflationsgeschützte lebenslange Rente, Anspruch auf Erwerbsminderungsrente nach fünf Jahren mit drei Pflichtjahren, Rehabilitation, Hinterbliebenenrente. Rendite rund zwei bis drei Prozent real, also unter dem ETF, aber ohne Marktrisiko. Als Grundsicherungsbaustein mit 300 bis 500 Euro monatlich sinnvoll, besonders für die Erwerbsminderungsabsicherung, die sonst nur eine teure private BU bietet.

Der wichtigste Baustein: Berufsunfähigkeit

Ohne Absicherung fehlt bei Krankheit alles: Einkommen, Vorsorge, Krankenversicherungsbeitrag. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit 1.500 bis 2.500 Euro Rente bis 67 kostet je nach Beruf und Alter 60 bis 200 Euro monatlich. Dazu Krankentagegeld ab dem 43. Tag, weil die gesetzliche Kasse Selbstständigen nur mit Wahltarif Krankengeld zahlt. Erst wenn das steht, ist die Altersvorsorge sinnvoll; sonst verkauft die erste lange Krankheit das Depot.

Die Vorsorgepflicht

Die Bundesregierung plant eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige, die nicht in einem Versorgungswerk sind: Wahl zwischen gesetzlicher Rente und einer privaten Vorsorge, die insolvenzgeschützt und pfändungssicher ist, mit Opt-out für bereits Vorsorgende. Wer heute Rürup oder gesetzlich einzahlt, erfüllt sie voraussichtlich. Ein reines Depot wird wahrscheinlich nicht reichen. Das ist ein Grund, den Steuerbaustein nicht auf später zu verschieben.

Häufige Fragen

Wie viel muss ich als Selbstständiger fürs Alter sparen?

Bei 3.000 Euro Netto und 30 Jahren Zeit rund 600 bis 750 Euro monatlich, um 70 Prozent des Nettos zu erreichen. Der Rentenlücken-Rechner zeigt deine Zahl ohne gesetzliche Rente.

Ist eine Rürup-Rente pfändungssicher?

Ja, in der Ansparphase, das ist ihr Vorteil gegenüber dem Depot bei Insolvenz. Bis zu bestimmten Höchstbeträgen ist auch das Guthaben Hartz-IV-sicher.

Was ist ein Versorgungswerk?

Die Pflichtversorgung für Kammerberufe wie Ärzte, Anwälte, Architekten und Steuerberater. Es ersetzt die gesetzliche Rente und ist meist besser dotiert; freie Berufe ohne Kammer haben keines.