Ein Angestellter mit 3.000 Euro netto kostet den Arbeitgeber 5.000 Euro. Ein Freelancer, der dasselbe Netto will, braucht einen Stundensatz von rund 80 Euro, weil er nur die Hälfte seiner Zeit abrechnen kann. Die Rechnung Schritt für Schritt.
Kurz gesagt
- Fakturierbare Stunden: von 2.000 Arbeitsstunden bleiben nach Urlaub, Krankheit, Akquise und Verwaltung rund 1.000 bis 1.200.
- Kosten: Krankenversicherung 800 bis 1.000 Euro, Altersvorsorge 20 Prozent, Betriebskosten, Rücklagen, Steuern.
- Beispiel: 3.000 Euro netto brauchen rund 95.000 Euro Umsatz, das sind 80 bis 95 Euro je fakturierbarer Stunde.
- Verhandeln: Tagessätze statt Stundensätze, Pauschalen für definierte Ergebnisse, jährliche Anpassung.
Schritt eins: Die Stunden
Ein Jahr hat 52 Wochen mal 40 Stunden gleich 2.080 Stunden. Minus 30 Tage Urlaub, 10 Feiertage, 10 Krankheitstage, also 50 Tage oder 400 Stunden, bleiben 1.680. Davon gehen 30 bis 40 Prozent für Akquise, Angebote, Buchhaltung, Weiterbildung, Leerlauf und unbezahlte Nacharbeit weg. Bleiben 1.000 bis 1.200 fakturierbare Stunden. Wer 1.500 ansetzt, hat noch nie ein Jahr selbstständig gearbeitet.
Schritt zwei: Der Bedarf
Privat: 3.000 Euro netto im Monat, 36.000 Euro im Jahr. Krankenversicherung: freiwillig gesetzlich nach Einkommen, 2026 zwischen 250 und 1.150 Euro monatlich inklusive Pflege, für ein Einkommen um 60.000 Euro rund 900 Euro, also 10.800 Euro im Jahr; privat ähnlich, im Alter teurer. Altersvorsorge: mindestens 20 Prozent des Nettobedarfs, weil kein Arbeitgeber mitzahlt, 8.000 Euro. Berufsunfähigkeit und Haftpflicht 2.000 Euro. Rücklage für Auftragsflauten und Investitionen 4.000 Euro. Betriebskosten: Büro, Software, Hardware, Fahrten, Steuerberater, Versicherungen, Weiterbildung 8.000 bis 12.000 Euro. Zusammen rund 72.000 Euro vor Steuern.
Schritt drei: Die Steuer
Auf den Gewinn nach Betriebskosten fällt Einkommensteuer an. Bei rund 62.000 Euro Gewinn liegen Einkommensteuer und Soli 2026 bei etwa 15.000 Euro, Gewerbesteuer bei Gewerbetreibenden zusätzlich, weitgehend anrechenbar, Freiberufler zahlen keine. Um 72.000 Euro nach Steuern verfügbar zu haben, braucht es rund 87.000 Euro Gewinn plus 10.000 Euro Betriebskosten, also 97.000 Euro Umsatz netto ohne Umsatzsteuer.
Schritt vier: Der Satz
97.000 Euro geteilt durch 1.100 Stunden ergibt 88 Euro je Stunde, bei 1.000 Stunden 97 Euro. Das ist der Satz für ein Angestelltenäquivalent von 3.000 Euro netto, ohne Unternehmerrisiko-Aufschlag. Wer 50 Euro nimmt, verdient bei voller Auslastung rund 1.700 Euro netto und spart nicht fürs Alter. Der Stundensatz-Rechner macht diese Rechnung mit deinen Zahlen, auch rückwärts: Was bleibt bei deinem heutigen Satz übrig?
Der Markt
Der Markt zahlt nicht deine Kosten, sondern deinen Wert. IT-Freelancer nehmen 2026 im Schnitt 100 bis 120 Euro, Berater 120 bis 250, Designer 70 bis 110, Texter 60 bis 100, Handwerker 60 bis 90, Coaches 100 bis 200. Liegt dein Kostensatz über dem Marktsatz, musst du Kosten senken, Stunden erhöhen oder in ein anderes Segment. Liegt er darunter, nimmst du den Marktsatz und nicht deinen Kostensatz.
Verhandeln und anpassen
Tagessätze bündeln und wirken kleiner pro Einheit. Pauschalen für definierte Ergebnisse trennen den Preis von der Zeit und belohnen Erfahrung. Rabatte nur gegen Volumen oder Vorauszahlung. Jährlich um Inflation plus zwei bis drei Prozent erhöhen, bei Bestandskunden mit drei Monaten Ankündigung. Der erste Auftrag zum Einstiegspreis ist in Ordnung, wenn im Vertrag steht, dass es einer ist.
Zum Ausprobieren
Stundensatz-RechnerWunschnetto, Kosten, Urlaub, fakturierbare Stunden: Der Stundensatz, der wirklich reicht.Einkommensteuer-RechnerZu versteuerndes Einkommen eingeben, Steuer, Grenzsteuersatz und Durchschnittssatz ablesen, mit Splitting.Häufige Fragen
Muss ich Umsatzsteuer aufschlagen?
Ab 25.000 Euro Vorjahresumsatz ja, 19 Prozent auf die Rechnung, die du abführst und die Geschäftskunden zurückholen. Kleinunternehmer darunter dürfen darauf verzichten, verlieren aber den Vorsteuerabzug.
Wie viel soll ich für Steuern zurücklegen?
30 bis 35 Prozent jeder Einnahme auf ein Steuerkonto, bei höheren Einkommen 40. Vorauszahlungen setzt das Finanzamt nach dem ersten Bescheid fest.
Ist Stunde oder Pauschale besser?
Für unklare Aufgaben Stunde, für definierte Ergebnisse Pauschale mit Änderungsklausel. Erfahrene Selbstständige bewegen sich zur Pauschale, weil sie schneller werden.
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