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Selbstständigkeit · Der Start

Gründung finanzieren: Eigenkapital, Zuschüsse, Mikrokredit

7 Minuten Lesezeit·

Die meisten Gründungen brauchen weniger Geld als gedacht und mehr Zeit als geplant. Wie du den Kapitalbedarf berechnest, welche Förderungen 2026 helfen und warum die erste Finanzierung dein eigenes Gehalt ist.

Kurz gesagt

  • Kapitalbedarf: Investitionen plus sechs Monate Betriebskosten plus sechs Monate Privatbedarf.
  • Gründungszuschuss der Arbeitsagentur: Arbeitslosengeld plus 300 Euro für sechs Monate, danach 300 Euro für neun Monate, kein Rechtsanspruch.
  • KfW-Gründerkredit StartGeld bis 125.000 Euro ohne Eigenkapital, Bürgschaftsbanken, Mikrokredite bis 25.000 Euro.
  • Rechtsform: Einzelunternehmen zum Start, GmbH ab Haftungsrisiko oder Investoren; UG als günstige Zwischenstufe.

Den Kapitalbedarf berechnen

Drei Blöcke: Investitionen wie Ausrüstung, Software, Website, Einrichtung, Warenlager; Betriebskosten für die ersten sechs Monate, in denen Umsatz kommt, aber nicht reicht: Miete, Versicherungen, Marketing, Steuerberater; und der Privatbedarf für dieselben sechs Monate, weil du dir anfangs kein Gehalt zahlen kannst. Ein Freelancer mit Laptop braucht oft nur den Privatbedarf, also 15.000 bis 20.000 Euro; ein Café mit Einrichtung 80.000 bis 150.000 Euro. Die häufigste Fehlplanung ist nicht die Investition, sondern die Anlaufzeit: Rechne mit dem Doppelten der Zeit bis zur Kostendeckung.

Eigenkapital und Familie

Mindestens 20 Prozent des Bedarfs aus eigener Tasche, weil Banken und Förderer es verlangen und weil eigenes Geld disziplinierter ausgegeben wird. Darlehen aus der Familie als Nachrangdarlehen mit Vertrag, Zins und Laufzeit, damit es Eigenkapital ähnelt und Freundschaften überlebt. Der Notgroschen bleibt unangetastet; er ist nicht das Gründungskapital.

Gründungszuschuss

Wer aus der Arbeitslosigkeit gründet und noch mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, kann bei der Agentur für Arbeit den Gründungszuschuss beantragen: sechs Monate Arbeitslosengeld plus 300 Euro für die Sozialversicherung, danach neun Monate 300 Euro. Voraussetzung: Businessplan, Tragfähigkeitsbescheinigung von IHK, Handwerkskammer oder Steuerberater, Antrag vor der Gründung. Es gibt keinen Rechtsanspruch; wer den Vermittlungsvorrang gut begründet, hat bessere Chancen.

Kredite und Bürgschaften

Der KfW-Gründerkredit StartGeld finanziert bis 125.000 Euro ohne Eigenkapital über die Hausbank, mit 80 Prozent Haftungsfreistellung für die Bank, Zins 2026 um vier bis sechs Prozent, bis zu zwei tilgungsfreie Jahre. Der ERP-Förderkredit Gründung bis 25 Millionen für größere Vorhaben. Landesförderbanken haben eigene Programme. Bürgschaftsbanken der Länder übernehmen bis 80 Prozent der Sicherheiten, wenn du keine hast. Mikrokredite über das Mikrokreditfonds Deutschland bis 25.000 Euro für Kleinstgründungen, schnell, aber mit Zinsen um 8 Prozent.

Zuschüsse und Beratung

Die Gründungsberatung wird vor der Gründung über die Länder bezuschusst, danach über die Förderung unternehmerischen Know-hows mit 50 bis 80 Prozent der Beratungskosten bis 4.000 Euro. Für innovative Gründungen EXIST für Hochschulgründer mit Stipendium, INVEST-Zuschuss für Business Angels, der 25 Prozent ihrer Investition erstattet, und Digitalisierungsprämien der Länder. Der Förder-Finder von milinia zeigt, was zu deiner Situation passt.

Rechtsform und Verwaltung

Einzelunternehmen oder Freiberufler zum Start: keine Kosten, keine Bilanz, Einnahmen-Überschuss-Rechnung, volle Haftung. UG (haftungsbeschränkt) ab einem Euro Stammkapital mit Ansparpflicht, GmbH ab 25.000 Euro, beide mit Bilanz, Notar und Gewerbesteuer, aber ohne Privathaftung. Wer Haftungsrisiken hat, Investoren sucht oder Gewinne im Unternehmen lassen will, wählt die Kapitalgesellschaft; wer allein dienstleistet, bleibt Einzelunternehmer. Vom ersten Tag: Geschäftskonto getrennt vom Privatkonto, 30 Prozent jeder Einnahme aufs Steuerkonto, Buchhaltungssoftware, Steuerberater ab dem ersten Jahr mit Umsatzsteuer.

Häufige Fragen

Brauche ich einen Businessplan?

Für Gründungszuschuss, Kredite und Bürgschaften ja. Für dich selbst reichen drei Seiten: Angebot, Kunden, Zahlen für drei Jahre. Der Plan ist falsch, aber die Denkarbeit ist richtig.

Wie bleibe ich krankenversichert?

Als Selbstständiger freiwillig gesetzlich, beitragspflichtig nach Einkommen mit Mindestbeitrag um 250 Euro, oder privat. Nebenberufliche Gründer bleiben über den Job versichert, wenn er überwiegt.

Was ist mit der Künstlersozialkasse?

Für Künstler, Publizisten, Designer und Journalisten übernimmt sie den Arbeitgeberanteil zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Wer die Kriterien erfüllt, spart mehrere tausend Euro im Jahr.